Pflegegeld – Voraussetzungen und Leistungen nach Pflegegraden

Dieser Beitrag erklärt, welche Leistungen Ihnen seitens der Pflegekasse zustehen, wenn Ihre Pflege zuhause geschieht und Sie von Angehörigen bzw. Bekannten gepflegt werden.

Inhalt:

Was ist Pflegegeld

Pflegegeld ist eine Leistung, die ein pflegebedürftiger Mensch von seiner Pflegekasse erhält, um die Pflege in der eigenen Häuslichkeit durch einen pflegenden Angehörigen oder einen Bekannten kompensieren zu können. Voraussetzung für den Erhalt des Pflegegeldes ist die Zuteilung zu einem Pflegegrad. Dergestalt unterscheiden sich auch die Leistungen, die man gemäß der Pflegeversicherung für die Pflege erhält.

Pflegegeld, ambulante Pflegesachleistungen und stationärer Leistungsbetrag

Je nach Pflegeform, in der der pflegebedürftige Mensch lebt und Pflege bekommt, hat er Anspruch auf unterschiedliche Leistungen seitens der Pflegekasse.

Pflegegeld erhalten Pflegebedürftige nach §37 SGB XI, wenn sie von nicht-professionellen Pflegenden in der eigenen Häuslichkeit gepflegt werden.

Eine betreute WG für an Demenz Erkrankte fällt beispielsweise bereits unter die ambulanten Sachleistungen (oder „Pflegesachleistungen“).

Zur Info

Wenn ein pflegebedürftiger Mensch zusammen mit anderen Pflegebedürftigen eine Wohngemeinschaft gründen will, erhält er mit seiner Pflegeversicherung einen Zuschuss von 2.500€ für die Einrichtung der Wohnung. Die Pflegeversicherung zahlt bis zu 10.000€ pro WG, also werden bis zu 4 Mitbewohner mit den 2.500€ unterstützt.

Von ambulanten Pflegesachleistungen spricht man, wenn die pflegebedürftige Person zwar in der eigenen Häuslichkeit gepflegt wird, wenn allerdings ein professioneller Anbieter, zum Beispiel ein Pflegedienst, die Pflege übernimmt und nicht die pflegenden Angehörigen des Pflegebedürftigen sich um dessen Pflege kümmern. Auch bei den ambulanten Pflegesachleistungen richten sich die Gelder, die der pflegebedürftige seitens der Pflegeversicherung für seine Pflege bezieht, nach dem jeweiligen Pflegegrad.

Ein stationärer Leistungsbetrag steht Pflegebedürftigen zur Verfügung, die in einer stationären Einrichtung, also in einem Pflegeheim, gepflegt werden. Der stationäre Leistungsbetrag muss allerdings durch einen bundesdurchschnittlichen Eigenanteil sowie durch eine individuelle Summe, die jedes Pflegeheim selbst berechnet, komplettiert werden, damit die pflegebedürftige Person im Heim gepflegt werden kann.

Wer bekommt das Pflegegeld bezahlt?

Das Pflegegeld wird von der Pflegekasse direkt an den Pflegebedürftigen ausgezahlt, nicht an die Person, die die Pflege des Pflegebedürftigen übernimmt. Der Pflegebedürftige darf hier frei über das Pflegegeld verfügen, allerdings ist es vom Gesetzgeber als finanzielle Anerkennung für die pflegende Person vorgesehen.

Wie hoch sind die Leistungen des Pflegegelds?

Das Pflegegeld, das der Pflegebedürftige von der Pflegekasse für seine Pflege ausgezahlt bekommt, richtet sich nach dem jeweiligen Pflegegrad, den ihm der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) bei seiner Überprüfung zugeteilt hat.

Leistungen des Pflegegelds

PG 1 PG 2 PG 3 PG 4 PG 5
Pflegegeld 316€ 545€ 728€ 901€

Höhe des Pflegegeldes nach Pflegegrad

Je nach Pflegegrad erhält ein pflegebedürftiger Mensch für seine Pflege ein unterschiedliches Pflegegeld von der Pflegekasse.

Pflegegrad 1 Überblick

Höhe des Pflegegelds bei Pflegegrad 1

Ein pflegebedürftiger Mensch, dem der MDK den Pflegegrad 1 zugeteilt hat, erhält gemäß der Pflegeversicherung noch kein Pflegegeld. Er hätte lediglich einen Anspruch auf den stationären Leistungsbetrag, würde er im Heim gepflegt werden. Allerdings hat die pflegebedürftige Person auch einen Anspruch auf den Entlastungsbeitrag nach §45b SGB XI. Diesen Anspruch haben alle Pflegebedürftigen, sofern sie ambulant gepflegt werden.

Alle Infos zum Pflegegrad 1 finden Sie hier.

Pflegegrad 2 Überblick

Höhe des Pflegegelds bei Pflegegrad 2

Eine Pflegebedürftige Person, der der Pflegegrad 2 zugeteilt wurde, erhält ein Pflegegeld von 316 Euro im Monat für ihre Pflege. Dadurch erhält die pflegebedürftige Person für die häusliche Pflege durch einen pflegenden Angehörigen oder Bekannten 193 Euro im Monat mehr als Menschen, die vor 2017 noch in die Pflegestufe 2 eingestuft wurden. Auch Menschen, die vor 2017 die Pflegestufe 1 hatten, beziehen damit immer noch 72 Euro im Monat mehr für ihre Pflegeleistungen.

Vergleich: Leistungsunterschied Pflegestufe 0 → Pflegegrad 2

Pflegestufe 0 Pflegegrad 2 Unterschied
Pflegegeld 123 € 316 € + 193 €

Vergleich: Leistungsunterschied Pflegestufe 1 → Pflegegrad 2

Pflegestufe 1 Pflegegrad 2 Unterschied
Pflegegeld 244 € 316 € + 72 €

Alle Infos zum Pflegegrad 1 können Sie sich hier ansehen.

Pflegegrad 3 Überblick

Höhe des Pflegegelds bei Pflegegrad 3

Hat ein pflegebedürftiger Mensch den Pflegegrad 3, erhält er ein Pflegegeld von 545 Euro im Monat. Dies entspricht einer Steigerung um 301 Euro im Monat zum Pflegegeld, die man mit der Pflegestufe 1 erhalten hat. Und auch Menschen, die vor 2017 die Pflegestufe 2 hatten, bekommen nun 87 Euro monatlich mehr von der Pflegeversicherung für Pflegeleistungen.

Vergleich: Leistungsunterschied Pflegestufe 1 → Pflegegrad 3

Pflegestufe 1 Pflegegrad 3 Unterschied
Pflegegeld 244 € 545 € + 301 €

Vergleich: Leistungsunterschied Pflegestufe 2 → Pflegegrad 3

Pflegestufe 2 Pflegegrad 3 Unterschied
Pflegegeld 458 € 545 € + 87 €

Hier erhalten Sie alle Informationen zum Pflegegrad 3.

Pflegegrad 4 Überblick

Höhe des Pflegegelds bei Pflegegrad 4

Das Pflegegeld bzw. die ambulante Geldleistung, die eine pflegebedürftige Person mit dem Pflegegrad 4 von der Pflegekasse für ihre häusliche Pflege erhält, beläuft sich auf 728 Euro im Monat. Das heißt, dass insgesamt 270 Euro im Monat mehr für die finanzielle Anerkennung des pflegenden Angehörigen zur Verfügung steht, als das noch mit Pflegestufe 2 der Fall war. Einen Unterschied zwischen Pflegestufe 3 und Pflegegrad 4 bezüglich des Pflegegelds gibt es allerdings nicht – auch das Pflegegeld für Pflegeleistungen der Pflegestufe 3 betrug sich auf 728 Euro im Monat.

Vergleich: Leistungsunterschied Pflegestufe 2 → Pflegegrad 4

Pflegestufe 2 Pflegegrad 4 Unterschied
Pflegegeld 458 € 728 € + 270 €

Vergleich: Leistungsunterschied Pflegestufe 3 → Pflegegrad 4

Pflegestufe 3 Pflegegrad 4 Unterschied
Pflegegeld 728 € 728 € + 0 €

Sehen Sie sich hier alle Infos zum Pflegegrad 4 an.

Pflegegrad 5 Leistungen

Höhe des Pflegegelds bei Pflegegrad 5

Menschen mit dem Pflegegrad 5, deren häusliche Pflege von Angehörigen oder Bekannten übernommen wird, erhalten 901 Euro im Monat. Damit erhalten sie für Pflegeleistungen 173 Euro monatlich mehr als mit der Pflegestufe 3, die bis Ende 2016 galt.

Vergleich: Leistungsunterschied Pflegestufe 3 → Pflegegrad 5

Pflegestufe 3 Pflegegrad 5 Unterschied
Pflegegeld 728 € 901 € + 173 €

Alle Infos zum Pflegegrad 5 finden Sie hier.

Insgesamt erhält ein pflegebedürftiger Mensch für die häusliche Pflege durch Angehörige mit dem Pflegestärkungsgesetz 2 also mehr Geld als vor 2017. Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass der Gesetzgeber die häusliche Pflege, welche von den meisten Pflegebedürftigen als bevorzugt angesehen wird, unterstützen möchte.

Für eine genauere Darstellung des Pflegestärkungsgesetzes 2 und seinen Änderungen bitten wir Sie, sich an unseren diesbezüglichen Beitrag zu halten. Dort wird auch die eingeschränkte Alltagskompetenz (zumeist Demenz) bzw. der Härtefall mit angeführt.

Pflegegeld: Zusätzliche Leistungen

Das Pflegegeld ist nicht die einzige Hilfe, auf die eine pflegebedürftige Person Anspruch hat.

Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen (§45b SGB XI)

Alle Pflegebedürftigen, die eine häusliche Pflege erfahren, haben zusätzlich zum Pflegegeld oder zu den ambulanten Pflegesachleistungen (wenn sie von einem Pflegedienst gepflegt werden) Anspruch auf einen zusätzlichen Entlastungsbetrag, die Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach §45b SGB XI. Diese belaufen sich auf 125 Euro im Monat. Es handelt sich bei den Leitungen um einen zweckgebundenen Betrag, was heißt, dass er nur für bestimmte Zwecke ausgegeben werden kann, die Sie unserem umfangreichen Beitrag zum Thema Betreuungs- und Entlastungsleistungen entnehmen können.

Zur Info

Auch stationär gepflegte Menschen haben Anspruch auf derartige Unterstützung. Allerdings beziehen sich diese auf §43b SGB XI (vormals §87b SGB XI) und werden direkt an das Pflegeheim gezahlt, sofern dieses darlegt, dass es AKtivitäten, die mit dem Betrag bezahlt werden, anbietet.

Kombinationsleistung

Die Kombinationsleistung ist eine Mischform aus Pflegegeld und Pflegesachleistung. Sie wird von der Pflegekasse bezahlt, wenn ein pflegebedürftiger Mensch nicht nur von einem Pflegedienst, sondern auch von einem Angehörigen / Bekannten gepflegt wird. Die genaue Definition und Berechnung können Sie in unserem Beitrag zu den Kombinationsleistungen erfahren.

Pflegegeld bei Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Bei Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege wird die Hälfte des Pflegegeldes weitergezahlt, sofern die Pflege von einem professionellen Pflegedienst übernommen wird. Allerdings wird die Hälfte des Pflegegelds bei Verhinderungspflege lediglich sechs Wochen im Jahr von den Pflegekassen bezahlt. Bei der Kurzzeitpflege wird die Hälfte des Pflegegeldes bis zu acht Wochen pro Jahr weitergezahlt.

Wenn also die Pflege kurzfristig von einem professionellen Pflegedienst übernommen werden muss – ob das nun in der Verhinderungspflege oder in der Kurzzeitpflege geschieht – so unterstützt die Pflegeversicherung dies in einem entsprechenden Rahmen.

Wie kann ich Pflegegeld beantragen?

Wenn Sie an sich oder an einem Angehörigen bemerken, dass die Selbstständigkeit, mit der Sie oder Ihr Angehöriger das Leben führen, zunehmend eingeschränkt ist, dann stellen Sie einen Antrag bei der Krankenkasse, um die Pflegebedürftigkeit festzustellen.

Die Krankenkasse wird zur Überprüfung der Pflegebedürftigkeit den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) beauftragen, welcher sich dann bei Ihnen bzw. Ihrem Angehörigen einfindet und eine Überprüfung der Pflegebedürftigkeit gemäß des Neuen Begutachtungsassessement (NBA) durchführt.

Zur Info

Das NBA berücksichtigt vor allem die Einschränkung der Selbstständigkeit, was zum Beispiel auch bei Demenz der Fall ist. Auch früher wurde der Demenz schon Rechnung getragen, allerdings nicht zur Genüge. Mit den Pflegestärkungsgesetz 2 erhält die Demenz und die damit verbundene Pflege einen viel höheren Stellenwert.

Das Ergebnis des MDK läuft dann auf eine Einstufung hinaus, mittels der ermittelt wird, auf welche Leistungen, also bei häuslicher Pflege durch Angehörige / Bekannte folglich auf welches Pflegegeld, Ansprüche bestehen.
In unserer vollständigen Übersicht über die Antragstellung finden Sie hilfreiche Tipps sowie einen Musterbrief, den Sie zur Kontaktaufnahme benutzen können.

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