Pflegegrad 3 – Voraussetzungen & Geldleistungen

Zu Beginn 2017 sind die bis dahin geltenden Pflegestufen durch die neuen Pflegegrade abgelöst worden. Der Pflegegrad 3 entspricht dabei einer schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.

Inhalt:

Voraussetzungen für die Einstufung in den Pflegegrad 3

Die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgt, wie auch schon bei den Stufen, durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) mittels des Neuen Begutachtungsassessments. Anhand von 6 verschiedenen Modulen vergibt der MDK 0-100 Punkte, wobei 100 Punkte dem höchsten Grad der Unselbstständigkeit entsprechen. Sowohl körperliche als auch kognitive Aspekte werden mit in die Beurteilung einbezogen.

Den Pflegegrad 3 erhält man, wenn man 47,5 bis <70 Punkte zugeteilt bekommt. Per Definition spricht man hier von einer schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.

Pflegegeld Leistungen

Diese Leistungen bezahlen die Pflegekassen Menschen mit dem Pflegegrad 3 monatlich

Geldleistung ambulant 545 €
Sachleistung ambulant 1.298 €
Entlastungsbetrag ambulant (§45b SGB XI) 125 €
Leistungsbetrag stationär 1.262 €

Menschen, die sich in stationärer Pflege befinden, bekommen auch Leistungen bezahlt, die dem ambulanten Entlastungsbetrag entsprechen. Diese werden nach §43b (vormals §87b SGB XI) jedoch direkt an das Heim gezahlt, das für die Pflege zuständig ist. Das Heim muss allerdings nachweisen, dass es für pflegebedürftige Personen ein entsprechendes Angebot zur Verfügung stellt.

Zur Info

Wenn Ihr Angehöriger stationär, also im Heim gepflegt wird, erhält er mit dem Pflegegrad 3 den stationären Leistungsbetrag von 1.262 Euro durch die Pflegeversicherung. Hinzu kommt allerdings der bundesdurchschnittliche pflegebedingte Eigenanteil von 580 Euro sowie eine individuelle Summe, die vom jeweiligen Heim für Verpflegung, Unterkunft etc. berechnet wird. Diese beiden Beträge müssen vom Pflegebedürftigen selbst oder von den Angehörigen entrichtet werden.

Abgesehen von diesen Geldern unterstützt die Pflegekasse Menschen mit Pflegegrad 3 doch auch auf andere Art und Weise.

Kurzzeitpflege mit Pflegegrad 3

Die Kurzzeitpflege ist eine Pflegeform, die dazu dient, Menschen für max. 56 Tage im Jahr stationär zu pflegen, wenn dies kurzfristig nötig ist. Das kann beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt oder nach einer plötzlichen Verschlechterung des allgemeinen Zustandes dieses Menschen der Fall sein.

Die Kurzzeitpflege wird seitens der Pflegekasse pflegegradunabhängig mit pauschal 1.612€ im Jahr unterstützt. Dieser Betrag kann, wie bereits erwähnt, für maximal 8 Wochen, also 56 Tage, Kurzzeitpflege im Jahr verwendet werden.

Lediglich Menschen mit dem Pflegegrad 1 erhalten keine Unterstützung bei der Kurzzeitpflege.

Pflegegrad 3 und Verhinderungspflege

Die Verhinderungspflege funktioniert ähnlich wie die Kurzzeitpflege. Wenn ein pflegender Angehöriger verhindert ist (durch Urlaub, Krankheit oder sonstiges), übernimmt ein professioneller Pflegedienst die Pflege des Menschen. Man erhält bis zu 1.612 Euro im Jahr, die man für die Verhinderungspflege nutzen kann. Die Verhinderungspflege kann maximal sechs Wochen, also 42 Tage, im Jahr beansprucht werden.

Menschen mit Pflegegrad 1 erhalten keine Unterstützung für die Verhinderungspflege.

Zur Info

Man kann die Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege auch kombinieren. Mehr dazu erfahren Sie in unserem detaillierten Beitrag zur Verhinderungspflege.

Pflegehilfsmittel für Menschen mit Pflegegrad 3

Ebenfalls unterstützt die Pflegekasse pauschal die Anschaffung von medizinischen Hilfsmitteln, die der pflegebedürftige Mensch benötigt, sowie den Hausnotruf, sollte dieser gewünscht oder erfordert sein.
Für Pflegehilfsmittel wie beispielsweise Messgeräte stellt die Pflegekasse 40€ pro Monat zur Verfügung. Einen Hausnotruf unterstützt sie mit 18,36 Euro monatlich sowie einmalig 10,49 Euro für die Anschaffung.

Beides wird unabhängig vom Pflegegrad an alle Pflegebedürftigen ausgezahlt, die diese Mittel benötigen.

Barrierefreies Badezimmer

Maßnahmen zum barrierefreien Wohnen

Bauliche Maßnahmen können dafür erforderlich sein, dass ein pflegebedürftiger Mensch weiterhin in seinem eigenen Zuhause wohnen bleiben kann. Diese Maßnahmen werden ebenfalls von der Pflegekasse unterstützt: Bis zu 4.000 Euro zahlt sie pro Maßnahme. „Maßnahme“ heißt hierbei jedoch tatsächlich ein Paket an Umbauten, das für die Gewährleistung der Barrierefreiheit durchgeführt werden muss. Das heißt, dass nicht beliebig viele Umbauten immer wieder mit 4.000 Euro bezuschusst werden. Weitere Umbauten werden nur unterstützt, wenn eine weitere Verschlechterung des Zustands des pflegebedürftigen Menschen eintritt, was dann auch mit einer Erhöhung des Pflegegrades mit einhergeht.

Mehr zum Barrierefreien Wohnen und zu weiteren Finanzierungsmöglichkeiten können Sie auf unserem Blog erfahren.

inhalte-pflegeberufegesetz

Pflegegrad beantragen – so geht’s

Um einem Pflegegrad zugeteilt zu werden, muss man einen Antrag an seine Pflegekasse schicken. Sollte es Ihnen nicht möglich sein, einen Antrag alleine zu stellen, können Sie sich auch bei einem Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe Hilfe erbitten. Sie können auch einen Hausbesuch fordern, wenn Ihre Situation dies nötig macht. Der Pflegeberater übernimmt dann das weitere Verfahren.

Ist der Antrag bei der Pflegekasse eingegangen, erscheint ein Gutachter des Medizinischen Diensts der Krankenversicherung (MDK) bei Ihnen zuhause und beurteilt Ihre Selbstständigkeit.

Sie sollten sich bzw. Ihren Angehörigen intensiv auf diesen Besuch vorbereiten. Im Bestfall führen Sie im Vorfeld ein Pflegetagebuch, um die Situation so präzise wie möglich darstellen zu können.

Anhand des Gutachtens, das der MDK erstellt, wird dann ein entsprechender Pflegegrad zugeteilt.

Falscher Pflegegrad – legen Sie Widerspruch ein!

Sollten Sie der Meinung sein, dass Ihnen oder Ihrem Angehörigen ein zu geringer Pflegegrad zugeteilt wurde, haben Sie 4 Wochen nach Erhalt der Zuteilung Zeit, Widerspruch einzulegen. Weitere 4 Wochen darauf haben Sie Zeit, den Widerspruch zu begründen.

Mehr zur Antragstellung und zum Widerspruch erfahren Sie in unserem diesbezüglichen Beitrag.

pflegegrade

Was sind die Pflegegrade?

Bis Ende 2016 wurden Pflegebedürftige in sogenannte Pflegestufen eingestuft, die gewissen Geldleistungen entsprachen, die sie je nach Pflegeform von der Pflegeversicherung erhielten. Mit dem PSG 2 wurden diese Pflegestufen am 01.01.2017 von den 5 Pflegegraden abgelöst. Grund hierfür war die Tatsache, dass die Stufen größtenteils der körperlichen Unselbstständigkeit sowie dem zeitlichen Aufwand, der für die Pflege nötig ist, Rechnung trugen. Das hat sich mit den Pflegegraden geändert.

Das Neue Begutachtungsassessment, der Bewertungskatalog, anhand dessen man einen Pflegegrad feststellen kann, geht ganzheitlicher auf die Situation des Pflegegbedürftigen ein. Nun spielen auch kognitive Beeinträchtigungen eine Rolle bei der Einteilung in einen Pflegegrad und den daraus resultierenden Leistungen für die Pflege. Das Neue Begutachtungsassessment bewertet die Pflegebedürftigkeit anhand der folgenden 6 Module:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte.

Mehr zum PSG 2, zum Neuen Begutachtungsassessment und zu den Pflegegraden finden Sie in unserem detaillierten Beitrag zu diesem Thema.

Das Pflegestärkungsgesetz 3 ist ebenfalls zu Beginn 2017 in Kraft getreten. Es hat das Ziel, die Umsetzung des Pflegestärkungsgesetzes 2 in ländlichen Regionen zu unterstützen sowie Pflegegelder und andere Sozialleistungen wie beispielsweise die Eingliederungshilfe in eine rechtliche Beziehung zu setzen. Aus diesem Grund wird das Pflegestärkungsgesetz 3 auch oft kritisiert. In unserem Beitrag zum Thema können Sie mehr dazu erfahren.

Zur Info

Hier finden Sie alle Informationen zu den anderen Pflegegraden:

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