Pflegegrad 5 – Voraussetzungen & Geldleistungen

Zu Beginn 2017 wurden im Zuge des Pflegestärkungsgesetz 2 (PSG II) die bis dahin gültigen Pflegestufen durch 5 Pflegegrade ersetzt. Der Pflegegrad 5 ist der höchste Pflegegrad und richtet sich an Menschen mit schwerster Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.

Inhalt:

Voraussetzungen für den Erhalt des Pflegegrades 5

Zuständig für die Einteilung in einen Pflegegrad ist der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK).

Wird eine Einteilung in einen Pflegegrad beantragt, kommt ein Prüfer des MDK zur pflegebedürftigen Person und bewertet deren Pflegebedürftigkeit und den damit verbundenen Aufwand an Pflege. Diese Bewertung erfolgt anhand des Neuen Begutachtungsassessments (NBA). Dabei werden nicht nur körperliche Faktoren, sondern auch kognitive Beeinträchtigungen mit in die Bewertung einbezogen.

Der Prüfer des MDK vergibt einen Wert von 1-100 Punkte an den Pflegebedürftigen, wobei 100 dem schwersten Grad der Beeinträchtigung entspricht.

Den Pflegegrad 5 erhält ein Mensch, wenn er in höchstem Maße unselbstständig ist und rund um die Uhr eine intensive pflegerische Versorgung benötigt. In Punkten ausgedrückt heißt das, dass er im Rahmen von 90 bis 100 Punkten liegt. Man spricht hierbei auch von einem Härtefall.

Zur Info

Von einem Härtefall spricht man, wenn bei dem Pflegebedürftigen ein sehr atypischer Sachverhalt vorliegt, der beträchtlich vom Normalfall abweicht, den der Gesetzgeber als solchen definiert hat.

Leistungen der Pflegekassen für Pflegegrad 5

Geldleistung ambulant 728
Sachleistung ambulant 1.612€
Entlastungsbetrag ambulant (§45b SGB XI) 125€
Leistungsbetrag stationär 1.775€

Neben diesen Leistungen unterstützt die Pflegekasse Menschen, die den Pflegegrad 5 erhalten haben, jedoch auch noch in anderer Hinsicht.

Verhinderungspflege mit Pflegegrad 5

Eine Verhinderungspflege kann man in dem Fall in Anspruch nehmen, wenn die private Pflegeperson verhindert ist – sei dies durch Urlaub, Krankheit oder sonstiges. In diesem Fall stehen maximal 1.612 Euro pro Jahr zur Verfügung. Diese Summe kann man für höchstens 42 Tage Verhinderungspflege im Jahr verwenden.

Mehr zur Verhinderungspflege können Sie unserem detaillierten Beitrag entnehmen.

Kurzzeitpflege

Eine Kurzzeitpflege kommt dann in Frage, wenn eine plötzliche Verschlechterung des Zustands eintritt bzw. wenn dies beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt nötig sein sollte. Dabei kann eine pflegebedürftige Person für maximal 56 Tage im Jahr stationär versorgt werden. Die Pflegekasse unterstützt die Kurzzeitpflege pflegegradunabhängig mit bis zu 1.612 Euro für diesen Zeitraum.

Es ist auch möglich, die Gelder und Zeiten für Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege zu kombinieren. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag für Verhinderungspflege.

Pflegehilfsmittel

Oft sind medizinische Hilfsmittel – beispielsweise Messgeräte – vonnöten, um die Pflege gewährleisten zu können. Diese Hilfsmittel subventioniert die Pflegekasse mit 40 Euro monatlich. Hierbei ist es nicht wichtig, welchen Pflegegrad die betreffende Person hat, die Gelder werden pflegegradunabhängig bezahlt.

Darüber hinaus unterstützt die Pflegekasse ebenfalls die Anschaffung eines Hausnotrufs mit 10,49 Euro. Zu den laufenden Kosten steuert sie noch einmal 18,36 Euro monatlich hinzu.

Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Der ambulante Entlastungsbetrag nach §45b SGBI XI wurde schon in der Tabelle eingegangen. Danach haben ambulante gepflegte Menschen jeglichen Pflegegrades Anspruch auf 125 Euro pro Monat, die sie für ein definiertes Spektrum an Leistungen verwenden können.
Aber auch stationär gepflegte Menschen haben Anspruch auf derartige Gelder. Geregelt ist das im §43b SGB XI. In diesem Fall werden die Gelder jedoch direkt an das Heim ausgezahlt, vorausgesetzt, dass es nachweist, dass die damit verbundenen Leistungen auch angeboten werden.

Unterstützung bei barrierefreiem Wohnen

Die Situation des pflegebedürftigen Menschen kann es möglich machen, das eigene Zuhause dementsprechend anzupassen. Hierfür stellt die Pflegekasse Zuschüsse von bis zu 4.000 Euro zur Verfügung – pro Maßnahme. Eine Maßnahme definiert sich durch ein Umbaupaket, also eine Anpassung der Wohnung auf die jeweiligen Bedürfnisse des betreffenden Menschen. Eine weitere Subventionierung findet deshalb nur statt, wenn eine weitere Verschlechterung des Zustandes eintritt.

Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag zum barrierefreien Wohnen. Auch zu alternativen Finanzierungsmöglichkeiten informieren wir Sie.

Wie beantrage ich einen Pflegegrad?

Um in einen Pflegegrad eingestuft zu werden, muss man einen Antrag bei seiner Pflegekasse stellen. Daraufhin kommt ein Gutachter des MDK, um die Situation der betreffenden Person einzuschätzen. Diese Einschätzung drückt er in Punkten des Neuen Begutachtungsassessments aus, die dann zu einem entsprechenden Pflegegrad führen.

Mehr zur Antragstellung können Sie hier erfahren.

Falscher Pflegegrad? Widerspruch einlegen!

Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie oder Ihr Angehöriger in einen zu niedrigen Pflegegrad eingestuft wurden, bleibt Ihnen vier Wochen nach Erhalt des Bescheids Zeit, um Widerspruch einzulegen und eine neue Begutachtung zu beantragen. Weitere vier Wochen danach haben Sie Zeit, um Ihren Widerspruch zu begründen.

Was sind Pflegegrade?

Pflegegrade sind Einteilungskategorien für Pflegebedürftige, mit denen Leistungen definiert werden, die die Pflegebedürftigen seitens der Pflegekassen erhalten, damit die Pflege gewährleistet werden kann, also Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder der stationäre Leistungsbetrag. Vor 2017 galten 4 Pflegestufen (Pflegestufe 0-3). Allerdings wurde oft kritisiert, dass der eingeschränkten Alltagskompetenz, also überwiegend der Demenz, ein ungenügender Stellenwert in der Pflege eingeräumt wurde. So erhielten Pflegebedürftige, die zwar körperlich völlig unbeeinträchtigt waren, jedoch unter starker Demenz litten, erst durch einen Zusatz zu den Pflegestufen eine entsprechende Kompensierung. Durch die Pflegegrade soll dieser Missstand nun vermieden werden – alle Pflegebedürftigen sollen die Pflege erhalten, die sie auch wirklich benötigen, ob der Grund der Pflegebedürftigkeit in der Demenz oder in körperlichen Einschränkungen der Selbstständigkeit liegt.

Ebenfalls zu Beginn 2017 in Kraft getreten ist das Pflegestärkungsgesetz 3 (PSG 3), das das Ziel hat, das Pflegestärkungsgesetz 2 in ländlichen Regionen effizienter umzusetzen. Außerdem wurden im Zuge des PSG 3 auch Pflegegelder mit anderen Sozialleistungssystemen wie der Eingliederungshilfe in Bezug gesetzt. Dies hat einige Kritik ausgelöst. Mehr Infos hierzu finden Sie in unserem Beitrag zum Pflegestärkungsgesetz 3.

Zur Info

Hier finden Sie alle Informationen zu den anderen Pflegegraden:

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